Korsika – GR20

Korsika – die Île de la Beau

Der Grande Randonee No. 20, kurz GR20 (Auf korsisch-französisch so ungefähr „Schööröwäh2“) ist wohl der spektakulärste unter Frankreichs Fernwanderwegen. Ein Paradies für jeden fitten Trekker, das in gut zwei Wochen durchquert werden kann. Fit sollte an dieser Stelle betont werden – dabei sind weniger die Höhenmeter das Problem, sondern vielmehr das auf vielen Abschnitten unwegige Gelände, das in der Summe Gelenke und Muskeln stark fordert. Das wird durch vielfältige Berglandschaften mit traumhaften Ausblicken entschädigt.

Vorbereitung

Wie Eingangs erwähnt, sollte ein ausreichender Fitnesslevel vorhanden sein. Knie und Gelenke sollten mit unwegsamen Gelände zurechtkommen. Wanderstöcke können dabei eine große Entlastung sein. Die Ausrüstung sollte dabei natürlich so leicht wie möglich gehalten sein. Bei den Wanderstiefeln würde ich jedoch eine Ausnahme machen. Mittlerweile bevorzuge ich auf heimischen Wegen Trailrunner, also Turnschuhe. Der GR20 mit seinem Geröll, Schneefeldern und Bächen würde die Füße hier jedoch in zu große Mitleidenschaft ziehen. Des weiteren sollte auch bei der Medizinischen Ausstattung nicht an Gewicht gespart werden. Rettungsdecke und solides Verbandszeug ist Pflicht. Ich selbst habe mir nur einige Schrammen geholt, 7 Bergsteiger kamen auf dem GR20 am am 10. Juni 2015 bei einem Bergrutsch ums Leben.

Französischkenntnisse sind zumindest rudimentär wichtig. Zwar kommt man mit Englisch unter jungen Franzosen gut durch, allerdings ist die Hauptsprache in den Refugees klar Französisch. Einheimischen wird eine Antipatie zum Französischen nachgesagt, aber mit Englisch ist man hier noch deutlich schlechter aufgestellt.

Karten oder GPS sind prinzipiell nicht erforderlich, insofern man auf dem Weg bleibt. Dieser ist hervorragend markiert – etwa alle 10 Meter, so dass man sich kaum verlaufen kann. Etwas komplizierter sind An- und Abreise. Ich habe einen Flug nach Calvi gebucht, ein kleiner Flugplatz mitten in der Pampa. Dort habe ich mir mit den erstbesten Leuten, die nach GR-20 aussahen ein Taxi nach Calenzana geteilt. Dort kann man sich im örtlichen SPARmarkt mit Lebensmitteln und Brennstoff (da gab es Spiritus, ich glaube auch Gaskartuschen) eindecken.

Der GR20

Bereits die erste Etappe fordert. Niemals in meinem Leben hab ich um 6 Uhr morgens so geschwitzt wie beim Aufstieg in die korsische Bergwelt. In der Macchia steht die schwüle Luft. Sie duftete im Frühsommer herrlich wie ein Döschen „Kräuter der Provence“. Es windet sich der Weg auf über 1000m. Ab dann ist das Klima nicht mehr heiß-mediterran, sondern tagsüber gemäßigt und nachts kalt. Euer Schlafsack sollte niedrige einstellige Temperaturen abkönnen.

Die nördlichen Etappen sind sogleich die höchsten und härtesten der ganzen Strecke. Die Höhenmeter, Kletterpassagen und Abstiege mit schwierigen Untergrund geben dem GR20 seinen Ruf als anspruchsvollsten Fernwanderweg Europas.

Ungefähr auf der Hälfte erreicht man Vizzavona – einen Bahnhof auf der Inselquerenden Bahntrasse. Man kann hier Kräfte sammeln und zu horrenden Preisen Blasenpflaster erwerben.

Danach kann der GR20 immernoch durch seine Schönheit glänzen, die Bavella wird ihrem Ruf als Dolormiten Korsikas gerecht!